All For Nothing – Minds Awake/Hearts Alive Review – Platte des Monats

All-For-Nothing-Minds-Awake-Heart-2017Freitag, 5.00 Uhr. Der Wecker klingelt. Die Laune ist mies, die Augen sind schwer. Nützt nichts.
Wie jeden Tag die Frage: Was hört man auf dem Weg zur Arbeit. Ach ja, die neue All For Nothing ist da, geben wir ihr mal eine Chance, mal schauen, ob sie unter diesen wirklich schweren Bedingungen bestehen kann.
Die Niederländer gehörten nie zu meinen absoluten Favoriten. Klar, Live immer eine Bank und auch menschlich wirklich großartig, fehlte mir bei den Alben oftmals das gewisse etwas. Das war alles immer gut, aber ohne diesen letzten entscheidenden Kick. Die Kirsche auf dem Kuchen, den Citruskick in der Vita-Cola.
10 minuten später, angekommen an der Straßenbahn, und schon nach 5 Songs steht fest, Godverdomme! da geht so richtig was.
Die Songs sind kurz, schnell, groovig. Oldschool mit melodischem Touch und metallischen Riffs. Aber alles knackig und auf den Punkt. Ohne viel Schnickschnack geht es voll zur Sache, puristisch aber trotzdem fett. Durchschnittlich 2 ½ Minuten lang, das verleiht dem Album Drive. Und dazu klingt der Gesang wütender denn je. Nicht aufgesetzt wütend, nein, man merkt, dass das echt ist.
Nach dem schnellen Opener „Remain Defiant“ folgt der Sing-A-Long Kracher und namensspendende Track „Minds Awake/Hearts Alive“ und man muss befürchten, damit sei das Pulver verschossen. Bei vielen Hardcore Alben werden die besten Songs ja gleich am Anfang verbraten. Nach drei Songs wähnt man einen neuen Stern in der Hardcore Hall of Fame und dann folgt viel Leerlauf.

Nicht so auf „Minds Awake/Hearts Alive“. Ganz im Gegenteil, die Songs bleiben einfach stark, sie werden tendenziell sogar fast noch ein bisschen besser. Song 7, „At First Sight“, ist das nächste Highlight. Dieser ist quasi die erste Singleauskopplung, wenn man von sowas heute noch sprechen kann, jedenfalls wurde es mit einem Video veröffentlicht.
Danach folgt, jedenfalls rein thematisch, ein kleiner Break. Geht es in den meisten Songs um persönliche Dinge, das Überwinden von Problemen, das besiegen des inneren Schweinehundes, niemals aufgeben (was ein wenig an das neue Miozän Album erinnert), sind „Dead Inside“ und „One Spark“ politische Breitseiten. „One Match – One Flag – One Spark – BURN“ Bumm, das sitzt. Direkt in die Fresse, kein rumeiern. Und gleich danach mit “Yet to come” ein Song mit recht selbsterklärender PMA Message.

Diese textliche Variabilität, Kopf und Verstand als Grundkonzept, sind im Albumtitel eingefangen. Da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht.
Produziert wurde das Album von Brian „Mitts“ Daniels von Madball. Dieser hat einen super Job gemacht, denn der Sound ist wirklich stark. Das drückt, das ist gleichzeitig transparent genug, das ist fett, das klingt aber nicht überproduziert. So soll das sein. Und wer All For Nothing kennt, der weiss, dass das spielerisch auch live in dieser Qualität rübergebracht wird.
Man könnte also sagen, All for Nothing haben sich mit dieser Platte weiterentwickelt, den nächsten Schritt gemacht. Das klingt aber so berechnend, als wäre es zwanghaft so gewollt. Dafür ist es aber dann doch einfach zu stimmig im Ganzen und zu überzeugend. Denn wenn das Feeling fehlt und die Songs nichts rüberbringen, bringt auch die dickste Produktion nichts. Und hier passen Herz und Handwerk. Die Band hat einfach ein unglaublich gutes Album gemacht. Punkt!

Nach gut einer halben Stunde bin ich im Büro angekommen, die Platte ist durchgelaufen. Ok, müde bin ich noch immer und bock zu arbeiten hab ich auch nicht, aber meine Laune ist definitiv um Längen besser als zuvor. All for Nothing haben mich mit „Minds Awake/Heart Alive“ komplett überzeugt und mir einen guten Start in den Tag beschert.

Trackliste:
1. Remain Defiant
2. Minds Awake Hearts Alive
3. The Other Side
4. Push Through
5. Never Follow
6. Weapons Of Mass Deception
7. At First Sight
8. Dead Inside
9. One Spark
10. Yet To Come
11. Far From Home
12. The End
13. Hope Is My North

Autor: Joe K
Band: All for Nothing
Label: Redfield Records
Releasedate: 07.04.2017