Rogues – Reality Waste Review

Rogues-AlbumArtRogues sind vier schneidige Jungs aus dem südlichen Cham. Rogues sind auch vier Musiker, welche anscheinend ziemlich Frust auf der Seele haben. Zumindest hat man diesen Eindruck, sobald man ihre neue EP ‚Reality Waste‘ einlegt.
Moderner Hardcore und wütende Texte? Dieses Rezept dürfte der geübte Hörer harter Musik inzwischen zum x-ten mal gekaut und verdaut haben. Doch Rogues unterscheiden sich durchaus von den meisten ihrer musikalischen Mitstreiter.
Grundsätzlich ist die Marschroute auf ‚Reality Waste‘ klar: Harte, groovige, Riffs ziehen sich durch das Material und damit dürfte erst einmal die Basis für eine breite Masse an Interessierten gelegt sein. Die Texte decken ebenso eine große Menge an Themen ab. Mit zwischenmenschlichen wie sozialkritischen Problemen als Inhalte fällt es leicht, sich mit der Wut und Aggression der Platte zu identifizieren.

An diesen Punkten versucht gefühlt jede moderne Hardcore-Band sich heutzutage entlangzuhangeln. Entsprechend groß ist die Menge an austauschbarem, reproduziertem Material auf Konzerten. Ebenso kurz ist auch die Aufmerksamkeitsspanne der Hörer. Wieso sollte man sich noch Mühe geben die nächste gehypte HC-Kapelle durchzuhören, wenn man bei jedem zweiten Part bereits vorhersehen kann, wie der nächste klingt?
Genau hier setzen Rogues an und schaffen es diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn man schon harte Riffs verwendet, dann sollten diese auch hart klingen. Wenn man schon versucht zu grooven, dann sollte man eben Riffs schreiben, die der Hörer vielleicht noch nicht zur Genüge aus anderen Alben kennt. Und wenn man wütend ist, dann sollte die Scheibe vielleicht auch nicht glattgebügelt und harmlos klingen.

‚Reality Waste‘ vereint all das. Die Scheibe klingt wütend und genau dieses Feeling kommt auch aus den Boxen. „Die Mischung macht’s“, wie man weiß. Und hier bekommt man die Mischung aus all dem, was Hardcore musikalisch im Jahre 2017 ausmacht. Die Songs sind schnell, laut, rotzig, hart und passen trotzdem als Ganzes zusammen. Letztendlich wird dieses Paket durch Michael Marketsmüller, welcher auch als Gastsänger auf „Scum Speaks“ zugange ist, in seinem „The Rat Studio so zusammengeschnürt, dass die Hörerschaft nicht einmal mehr vor die Entscheidung „Gute Musik oder guter Sound?“ gestellt wird. Rogues zeigen: Man kann ehrlich und rotzig klingen und trotzdem eine Platte abliefern, die nicht wie Slayer Anfang der 80er rauscht.

Rating:7,5/10

Tracklist:
1 – Assholelism
2 – Scum Speaks (feat. Marki – Waves Like Walls)
3 – Copland
4 – Reality Waste
5 – 381
6 – Devil (Bonus-Track)

Autor: Flo
Band: Rogues
Album: Reality Waste
Label: DIY
Releasedatum: 23. April 2017