Malevolence – Self Supremacy Review

LP_Cover.inddDie Mischung macht’s! Es fällt schwer, heutzutage eine neue Kombination aus Genres und Stilrichtungen zu finden, für die es nicht schon längst ein Patent gibt, beziehungsweise die dann auch noch willige Hörer findet. Vor allem im Metal führt so etwas immer wieder zu neuen, teils unvorhersehbaren und schnell wieder vergessenen Experimenten. Das ändert allerdings nichts daran, dass aus diesem Bereich hin und wieder interessantes neues Material mit eigenem, eigenständigem Sound aus der groben Masse heraustritt.
Einen Mix aus Pantera, At The Gates und der musikalischen Speerspitze des Beatdown findet man beispielsweise nicht allzu häufig, obwohl diese jeweiligen Einflüsse genügend Spuren in der musikalischen Landschaft seit den 90ern hinterlassen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass Malevolence aus Sheffield seit 2010 die Metal- und Hardcore-Szene mit ihrem eigenständigen Sound bereichern.
Southern-Rock-Badass-Riffs, Schweden-Death-Melodien und krachenden Beatdown-Parts ließen vor allem auf ihrem letzten Album Reign Of Suffering 2013 aufhorchen. Obwohl die Band nach wie vor stark in Richtung der Beatdown-Szene eingeordnet wird, zeigen entsprechende Touren mit Bands wie Comeback Kid und Dying Fetus, dass der Sound in verschiedenen Richtungen und Hörerschaften Gefallen findet. Genau darin liegt auch die größte Stärke von Malevolence als Band: Ein eigener Sound, der ganz nebenbei verschiedenste Lager der harten Musik anzusprechen weiß.

Dieser Sound soll nun auf Self Supremacy einen würdigen Nachfolger finden. Das neue Album via BDHW Records wurde aufgrund der langen Wartezeit sehnsüchtig erwartet und dementsprechend hoch waren die Erwartungen an das britische Quintett.
Als ersten Ableger der Platte wurde Mitte März bereits Slave to Satisfaction präsentiert:

Die Wahl der ersten Single erscheint im Nachhinein verständlich, da die für das gesamte Album typischen Elemente gleich einmal vorgestellt wurden. Andererseits hat die Platte einige Songs, welche als erster Output nach beinahe 4 Jahren deutlich sinniger gewesen wären. Bereits der Titeltrack und Opener bietet eine auf einen Song komprimierte Blaupause für das, was Malevolence interessanter macht als ihre werten Kollegen. Die eingangs beschriebene Mischung ist hier wirklich auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Der Song bleibt im Kopf hängen, die Riffs ballern, die Tempo-Wechsel und verschiedenen Elemente sind nachvollziehbar angeordnet und nach ein- bis zweimaligem Anhören fühlt man sich durchaus in der Lage einzelne Lyrics mitzugrölen.

Self Supremacy ist definitiv eine Platte, welche man mehrfach durchhören kann und sollte. Viele Riffs und Übergänge sind so hektisch und teilweise unvorhersehbar, dass es schwer fällt sofort eine Verbindung zum Gesamtwerk herzustellen. Tatsächlich gelingt es Malevolence nur mit dem Opener, einen direkten Nachfolger zu einem Song wie Serpents Chokehold zu präsentieren. Eine richtige Hymne, eine Single, einen Song den die ganze Halle auf der ersten Tour nach Release mitsingen wird hat die Platte ansonsten nicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Platte ansonsten aus austauschbaren Songs besteht. Bereits auf den ersten Anlauf werden einzelne Parts hängen bleiben. Beispielsweise der Vocal-Guestpart von Andrew Neufeld (Comeback Kid) auf Severed Ties gehört definitiv zu den Highlights der Scheibe: „Sometimes you gotta cut the grass to find the fucking snake“!

Aber auch Songs wie True Colors geben der Scheibe durch den markanten Phil-Anselmo-Gedächtnis-Gesang eine gewisse Dynamik. Das positive Feedback zu Turn to Stone, dem atmosphärischsten Song der Vorgänger-Platte zeigt, dass dieser Sound nicht nur eine interessante Ergänzung zum Beatdown-Sound der Band ist, sondern auch vom Publikum entsprechend positiv aufgenommen wird. True Colors kann mit Eingängigkeit und Black-Sabbath-Riffs überzeugen und Fans von Turn to Stone werden hier sicher nicht enttäuscht.
Das dominanteste Element bleibt jedoch selbstverständlich die harte Kante in Form von Beatdown-Parts und Breakdowns. Somit wird der daran interessierte Teil der Hörer definitiv nicht enttäuscht werden. Spätestens mit dem Schlusspart des Openers ist klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Ein besonderes Plus ist nochmal das vormalige Live-Intro der Band, welches auf Outnumbered innerhalb des Songs sinnvoll verwertet wurde.

Ein würdiger Nachfolger und ein guter Schritt für die Band ist das Album also alle Male. Die gewisse Portion Verspieltheit bei den Riffs der Abwechslungsreichtum im Songwriting zeigt, dass Malevolence absolut motiviert und kreativ zugange sind und damit auf gutem Kurs, mit eigenständigem Sound die Metal- und Hardcore-Szene in Zukunft weiter zu bereichern. Teilweise wünscht man sich jedoch noch eine kleine Portion Hit-Potential und das definitiv nicht klassisch-kommerziellen Sinn. Songs wie Serpents Chokehold und Self Supremacy sind jedoch schlicht und einfach die potentiellen Dauerbrenner, welche den Sound der Band auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Eine Hand voll mehr von dieser Sorte würde Malevolence definitiv nicht schaden. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau: Jeder, der an Reign of Suffering seinen Gefallen gefunden hat, wird mit Self Supremacy mehr als gut bedient sein und spätestens nach zwei- bis dreimaligem Durchhören eine neue Scheibe für den oberen Platz im Regal gefunden haben.

Rating: 8,5 / 10

Tracklist:
1. Self Supremacy
2. Trial By Fire
3. Severed Ties ft. Comeback Kid
4. Wasted Breath ft. The Merciless Concept
5. Body Count
6. 4am On West St
7. Slave To Satisfaction
8. Spineless
9. True Colours
10. Outnumbered
11. Low Life

Autor: Flo
Release-Datum: 19.05.2017
Band: Malevolence
Label:BDHW Rec